Warum Kirchen öffnen

Es ist nicht mehr zu übersehen: Kirchräume erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Sie locken europaweit immer mehr Gäste an. Menschen kommen unter der Woche mal eben „auf einen Sprung“ vorbei: Vor dem Einkauf, nach der Arbeit, in der Mittagspause. Sie setzen sich zehn Minuten in die Reihen, zünden eine Kerze an, schreiben ein Gebet oder eine Bitte in ein Anliegenbuch. Am Ausgang nehmen sie sich eine Karte mit einem Bibelvers oder stecken den schriftlichen Kirchenführer in ihre Tasche. Sie kommen, weil unsere Städte laut und hektisch sind und die Kirchräume mit ihrer klaren Struktur und ihrer Ruhe zunehmend als einzigartig empfunden werden. Sie kommen, weil ein Problem sie quält und sie hoffen, in der Kirche gelassener zu werden und Trost zu finden.
Sie kommen mit Kindern an der Hand, die hier – beim Anzünden der Kerzen – eine Möglichkeit des Betens lernen. Sie sind jung und alt, sie sind Frauen und Männer, sie kommen aus unterschiedlichen Ländern, und sie sind nicht nur Christinnen und Christen. Sie kommen nicht unbedingt am Sonntagmorgen um 10.00 Uhr,
Wir können unsere Kirchen nur erhalten, wenn wir sie öffnen.
und sie suchen nicht unbedingt einen Gottesdienst. Was auf den ersten Blick wie eine Enttäuschung aussieht, eröffnet zugleich eine Chance: Viele Gemeinden beginnen zu verstehen, dass hinter diesem neu erwachten Interesse an den Kirchräumen ernst zu nehmende religiöse Fragen, Anliegen und Sehnsüchte stecken. Gemeinden beschließen immer häufiger, einladend zu sein und den Menschen unter der Woche auch ihre Kirchtüren zu öffnen.

Ein Konzept für offene Kirchen

Kirchräume zu öffnen ist ein lohnendes Projekt, dem ein Konzept zugrunde liegen sollte. Um Erfolg zu haben kann sich eine Gemeinde an folgenden Schritten orientieren und die Fragen beraten:
  1. Warum wollen wir die Kirche öffnen? Was möchten wir damit erreichen?
  2. Was finden wir vor? Welche baulichen und kunsthistorischen Besonderheiten und Schätze, welchen Mitarbeiterstab, welche Traditionen der Öffnung bzw. der Schließung?
  3. Entscheiden wir uns für eine Öffnung der Kirche mit oder ohne Kirchenaufsicht? Wie bekommen wir ggf. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Aufsicht führen? Oder: Wer kann die Tür morgens aufschließen und abends abschließen?
  4. Welche zeitlichen Varianten der Öffnung kommen in Frage? Bei Bedarf (Schlüssel kann im Gemeindebüro abgeholt werden), zu speziellen Anlässen oder regelmäßige Öffnung zu bestimmten Zeiten?
  5. Wie gestalten wir die geöffnete Kirche? Welches Angebot finden die Menschen im Kirchraum vor? Was können sie selbst im Kirchraum tun?
  6. Wie machen wir das Projekt „Offene Kirche“ in der Öffentlichkeit bekannt? Welches markante Anfangsdatum setzen wir (Gottesdienst zum Thema mit Start der Aktion etc.)? Wie erfahren die Menschen auf der Straße, dass die Kirche jetzt offen ist (z.B. über Pressearbeit oder Handzettel vor der Kirche)?
  7. Welchen Erprobungszeitraum wählen wir? Nach welcher Etappe wollen wir unsere Erfahrungen auswerten, um unser Projekt weiterzuentwickeln?

Angebote des Amtes für missionarische Dienste

Die Initiative "Offene Kirchen" wird durch das Amt für missionarische Dienste koordiniert sowie durch verschiedene Angebote unterstützt, z.B.
  • Vorstellung der Initiative "Offene Kirchen" im Presbyterium, Arbeitskreis oder auf einer Pfarrkonferenz
  • Beratungen vor Ort zu einzelnen Themen wie "Kirchraumgestaltung", "begleitende Angebote", "Öffentlichkeitsarbeit"
  • Konzeptentwicklung für eine Offene Kirche (Planung, Mitarbeitendengewinnung, Durchführung, Begleitangebote)
  • Workshops (halb-/ganztägig) vor Ort mit Haupt- und Ehrenamtlichen zu Fragen der Kirchenöffnung (z.B. spirituelle und seelsorgliche Angebote im Kirchraum o.ä.). 

Anfragen dazu richten Sie bitte ebenfalls an das Amt für missionarische Dienste, Pfr. Andreas Isenburg, Tel. 02 31/54 09-63, Mail: isenburg(at)amd-westfalen.de.

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